Warburg Institute


Als reicher Kaufmannssohn und ohne wissenschaftliche Ausbildung baute Aby Warburg um die Jahrundertwende zum 20. Jahrhundert seine Bibliothek in Hamburg auf. Mit seinem eigenen Klassifikationssystem hat er einen bedeutenden Beitrag für  Bibliothekswissenschaft und -geschichte geleistet. Einer ganzheitlich geisteswissenschaftlichend Idee entsprechend, ist die Bibliothek in einem runden Raum entlang der Wand aufgestellt. Sie soll so gemacht sein, dass man in der Umgebung eines Buches z.B. innerhalb der Philosophie alle anderen philosophischen Bücher zu einem ähnlichen Thema findet, aber auch in der Psychologie dasselbe Buch unter einem psychologischen Thema antreffen kann. Man findet ein Exemplar in der literaturwissenschaftlichen Sektion und vielleicht dasselbe Exempar auch in der Kunstsektion. Die Idee ist eine Idee der Moderne: die ganzheitliche Abbildung der geistigen Welt in einer Aufstellung, die für jeden Zusammenhang einen Standort bereithält. Und dies alles innerhalb eines im Kreis angeordneten Bestandes.

De natura rerum of Isidore of Seville (560– 636) printed at Augsburg in 1472

Das Institutsemblem (auch am Eingang, s. Foto unten) zeigt vier Elemente, aus denen die Welt besteht  (zwei Gegensatzpaare):

Earth is linked to water by the common quality of cold, water to air by the quality of moisture, air to fire by heat and fire to earth by dryness.“ (Quelle)

Davon abgeleitet werden die vier  Dimensionen: Handlung – Orientierung – Wort – Bild. Der Clou bei dieser Zuordnung ist die Zuordnung von Wissenschaften und Fachgebieten entsprechend der vier Kategorien. Kultur- und politische Geschichte (und deren Unterkategorien) werden mit Handeln,  Wissenschaft und Religion mit Orientierung, Literatur mit dem Wort und Kunst mit dem Bild verbunden. In diesem Obersystem gehen alle denkbaben geisteswissenschaftlichen Kategorien auf. Die Frage nach der richtigen Anordnung hat Warburg sein Leben lang umtrieben.

Zu den besonderen Schätzen (heute) zählen die Digitalen Quellen, mühsam digitalisierte Ikonographien, Handschriften oder  Stiche.  Warburg hat sich besonders für Zeichnungen von Festen,  Embleme, Rennaisancestiche, Fabelwesen oder mythologischen Darstellungen interessiert, die zum Teil aus dem 15. Jh. stammen.  Alle diese Digitalisate basieren auf Quellen, die zum Teil noch auf Warburgs eigenem Bestand gründen.  Die Digitalisate sind für nicht-kommerzielle Zwecke frei als pdf verfügbar. Nach Warburgs Tod wurde die Bibliothek vor den Nazis nach Londen gerettet, wo sie am Ende an die University of London angeschlossen wurde. Anschluss und andere Direktoren haben auch dazu geführt, das von der Kreisanordnung des Bestandes abgelassen werden musste. Warburgs Idee der kulturwissenschaftlichen Bibliothek lebt aber durch die BibliothekarInnen, die übrigens auch alle eine fachwissenschaftliche Ausbildung haben, als Ideal fort, das konnte man bei der Besichtigung spüren. Die Bibliothek sieht heute auf den ersten Blick wie jede andere Universitätsbibliothek aus. Die ursprüngliche Systematisierung könnte für den heutigen Nutzen nochmals untersucht werden.

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Literatur

Aby Warburg (1866-1929). The Survival of an Idea. Mathias Bruhn

… und natürlich der Wikipediaaufsatz

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