Uncool – Die Zukunft des Lesens zerinnt zwischen den Fingern


Jüngste Statements  zum E-Book Reader im Kulturspiegel  – Bibliotheksmensch war mal wieder abwesend

Die letzte Ausgabe des Kulturspiegel (10/08) veröffentlicht Statements von Verlegern, Händlern, Designern,  Managern, Agenten, Hackern, Schriftstellern etc, die sich mit der Frage auseinandersetzen, ob sich die Welt der Printmedien durch den Einsatz elektronischer Lesegeräte dieses oder nächstes Jahr tiefgreifend verändern wird. Musste wieder heulen, als Bibliotheken genannt wurden:

„Man muss nur in eine ganz normale Uni-Bibliothek gehen. Dort verstauben die gedruckten Lexika im Regal.“ (S. 22)

Uncoolerweise lassen sich hier einige traurige Thesen ableiten:

1. Weder Spiegelverlag noch Buchhandel, Börsenverein oder Verleger berücksichtigen den Einfluss der neuen Lesegeräte auf Bibliotheken. Es geht mal wieder nur um Verwertung und Ökonomie, nicht jedoch um den anderen Raum in dem „unwahrscheinliche Kommunikation“ möglich ist.

2. Einziger Kontext, in dem Bibliotheken genannt werden, ist der Staub.

6 Kommentare

  1. Naja, letztlich hängt die Sicht auf Bibliotheken immer von der Denkweise des Blickenden ab, nicht wahr?🙂

  2. Bestimmt. Aber sollte man nur blicken oder mitreden. Sonst heißt es später wieder. „Da haben wir etwas den Anschluss verloren!“ Gerade die Debatte um die digitalen Lizenzen, du musst beim amazon Lesegerät etwa das digitale Buch auch gleich bei amazon kaufen, sollte im Bibliotheksbereich Thema sein. Verlage werden Portale für digitale Downloads aller ihrer Bücher bereitstellen.
    Ich erblicke, dass da der Markt mal wieder neu aufgeteilt wird, hoffentlich nicht zu Lasten der Bibliotheksbesucher und Besucherinnen. :.(

  3. Hmm, ich hatte gerade mit meiner Bibliotheksleiterin im Praktikum ein langes Gespräch darüber, dass ich mir langsam als Besitzstandswahrer vorkomme. Geht dieses gefühlte „über-bord-werfen“ der meisten bestehenden Grundsätze nur mir auf den Senkel? Wenn ich auf Prof. Hobohms Blog gucke sind sich die Bibliothekare ja angeblich einig. Wenn ich mit den ehemaligen Azubi-Kolleginnen (ich schreibe nur „innen“ weil es ausschließlich Frauen sind🙂 ) ist das Gegenteil der Fall. Ich habe zugegeben dabei einen krassen Blick auf die ÖBs, und dann stellt sich mir die Frage, ob man im Studium nicht doch viel stärker differenzieren sollte zwischen den Bibliotheken. Im Übrigen steigt doch die Zahl der publizierten und gedruckten Bücher von Jahr zu Jahr, sofern ich die Zahlen noch richtig in Erinnerung habe. Wie paßt das alles zusammen?
    Wie passen Bibliotheken überhaupt in die Betrachtung der Entwicklung neuer Lesegeräte oder neuer Medien im Allgemeinen?

  4. Heute in der SZ (S1) „(…) 30 Prozent der auf der Messe gezeigten Buecher (gemeint ist die Frankfurter Buchmesse) koennen mit E-Readern (…) angeschaut werden.“ Ist das vielleicht ein Aufhaenger ueber den sich Bibliotheken und Lesegeraete einander annaehern?

  5. Heute bei Spiegel-Online:

    „Buchmesse-Direktor Juergen Boos wies bei der Eröffnung der Mammut-Veranstaltung am Mittwoch in Frankfurt am Main eigens darauf hin, dass „30 Prozent der auf der Messe ausgestellten Produkte“ bereits jetzt „digital“ seien.“
    „Doch die digitalen Produkte, von denen Boos da sprach, sind mehrheitlich Silberscheiben: CDs mit Vorgelesenem, CDs mit Wörterbüchern, DVDs mit dem Film zum Buch.“

    Aber trotzdem interessante Idee/Frage. Sollen Bibliotheken dann auch die Lesegeräte anbieten?

  6. Ja vielleicht so wie in dem Beispiel hier http://archiv.twoday.net/stories/5226387/
    Es herrscht Skepsis
    http://feeds.feedburner.com/~r/netbib/DFxV/~3/422982912/
    aber auch ein allgemeiner Hype um die Teile, gerade jetzt wg. der Buchmesse.
    Aber im Ernst: Ich hab‘ keine Ahnung. Einerseits drängt sich mir das Szenario vom sterilen Krankenhaus auf: Alles in apple-weiß: die e-books, die Wände (natürlich ohne Bücher), die Einrichtung…
    Zweiter Ansatz: Es eröffnet sich die Möglichkeit, die Idee der Bibliothek verstärkt an die Idee von Komfort, Geselligkeit und Konsum zu koppeln, a la Starbucks Library. Kaffee Latte + ein sich nach 2 Wochen selbst zerstörendes Buch deiner Wahl auf den e-book reader für fünf Euro. Das passt zumindest ins Bild des mobilen Business Gentleman, hat aber zugleich nichts mit der gemeinwohlorientierten Bibliothek mehr gemeinsam.
    BibliothekarInnen können sich schon mal überlegen, ob sie verstärkt die Ressourcen dafür zur Verfügung stellen, E-book Nutzer üppig zu bedienen (Stichwort onleihe ausbauen)o.ä.

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