12. GBV Konferenz – Zwischen Rationalisierungsdruck und Harmonie


Annotationen zur 12. GBV Konferenz (nur gültig für den 10. Septemer)

Der Gemeinsame Bibliotheksverbund (GBV) so die Vorsitzende der Verbundleitung Sabine Wefers könne durch Web 2.0 Angebote und die Ergänzung um Aufgaben der Langzeitarchivierung sein Leistungsangebot verbessern. Es gehe auch darum „Komplemente“ zu finden, soll heißen, dass die Partner sich erffizenter zuarbeiten.

Herr Finger, Vertreter der Leitung der Staatsbibliothek hatte die Aufgabe, Fragen an den Verbund zu formulieren: Google wurde mal wieder als Bibliothekskonkurrent zur Disposition gestellt – „wissenschaftliches Arbeiten beginnt mit Google“ – müsse nicht die Abwanderung der Nutzer gestoppt werden. Was tun?

Albert Bilo, einer der zwei Direktoren!! der Universitätsbibliothek Duisburg-Essen, unterstellte, dass man die Nutzer nicht zum Produkt hin erziehen dürfe und, dass assoziatives Suchen dem systematischen Suchen heutzutage überlegen sei, weil sich das Verhalen der Jugendlichen geändert habe (dabei sind Informationen doch nie vollständig und wissenschaftliches Arbeiten erfordert, dass nicht alles systematisch erfasst werden kann, da Wissenschaft sich doch nur mit Ausschnitten aus der Wirklichkeit beschäftigen kann). Auf jeden Fall blitzte hier die Idee vom neuen Informationsnutzungsverhalten auf. Weitere behutsame Kritik ging in die Richtung, dass der „bornierte Seperatismus“ vieler Jahre durch den GBV überwunden werden müsse und ob überhaupt so viele Verbünde notwendig seien. „Wie viele Verbünde brauchen wir? Brauchen wir so viele Verbünde?“, so Bilo.

Herr Altenkrüger stellte im Anschluss das Ibero-Amerikanische Institut (IAI) vor und berichtete über die Leistungen die durch Zusammenarbeit zwischen GBV und IAI ermöglicht wurde. Als Repräsentant einer Spezialbibliothek hatte er auch die Aufgabe zu verdeutlchen, dass im GBV auch Spezialbibliotheken organisiert sind und ihre Bedürfnisse im Verbund kommunizieren und einlösen können. Anmerkungen aus seiner Ecke: Übersertzungsrutinen bei der Eingabe seien wünschenswert, OPACs auch in portugisisch und spanisch anbieten, Einbinden von Table of Contents und Covern sowie verbessertes Fehlermanagement.

Jay Jordan (OCLC) pries die tollen features seiner Firma an, z.B. den Dewey Browser oder die Copyright Evidence Registry. Es gehe auch darum, den Weg über ein Goggle Ergebnis wieder zum nächsten Bibliotheksstandort zu weisen, was OCLC mit Google ausgehandelt hat. 68.828 Bibliotheken in 162 Ländern, die sich OCLC angeschlossen haben, ergeben ein mächtiges Repositorium, den Worldcat. Auch wenn Mr Jorden mittelbar als Konkurrent des GBV auftrat, wurde diese Ansicht später partiell von den Sprechern verworfen, da der Verbund lokal stärker ist und OCLC eher auf globaler Ebene agiert. Ganz aus der Welt schaffen konnte man die Konkurrenzidee dann aber doch nicht mehr. Andererseits ist OCLC im Bibliotheksgeschäft einer der relevantesten global player mit mächtiger Deutungshoheit dafür, was der Wert der Sammlung menschlichen Wissens ist.

Herr Diederichs schließlich, Direktor der Verbundszentrale des GBV betonte, dass die Verfügbarkeit von digitalem Content immer wichtiger wird. Er äußerte auch, dass ab einem gewissen Grad der Durchdringung neuer technischer Innovationen die alte Technik stirbt. Sollte das heißen, dass wir demnächst nur noch vor einem Amazon kindle e-book reader in der leeren Bibliothek arbeiten, oder, dass uns das iPhone bei der Vorbeifahrt an einer Bibliothek sagt: Stopp hier aussteigen, Buch xy ist hier vorrätig?
Herr Diederichs identifizierte Schwerpunkte, die der GBV zu schultern hat: Kataloganreicherung, Katalogaufwertung, Vernetzbarkeit, Internationalisierung der Standards. Eine solide auf festen Standars basierende Datenbasis ist die Vorausetzung um Effizienz für die Bibliotheken im Verbund zu erbringen. Auch die Möglichkeit von Identifikationsverfahren, die über das lokale Netz hinausgehen z.B. Shibboleth, stellen eine herannahende Herausforderung für den Verbund dar.

Zusammenfassung der Anschlussdiskussion

Bibliotheken sind gut im Geschäft. Ihre Aufgaben erweitern sich. Das Management sollte gestrafft werden. In einem sich permanent veränderten Rahmen, gibt es auch keine feste Rolle für die Bibliothek. Nicht alles wird immer und überall digital zur Verfügung stehen. Die Nähe zur Suchmaschine ist größer als die zum OPAC geschweige denn zur Bibliographie. Bibliotheken müssen ihre Tätigkeit kritisch und intensiv reflektieren, aber sich nicht in dieser Reflexion einkapseln. Der Nutzer, die Nutzerin weiss nicht, was er oder sie will. Zeigt man den Nutzern oder Nichtnutzern, was die Bibliothek für sie zu leisten in der Lage ist, werden sie sie annehmen. „Entdeckendes Suchen“ wird bevorzugt. Und schließlich: Wenn der Verbund nicht die richtigen Produkte anbietet, dann gehen die Bibliotheken zu OCLC.

2 Kommentare

  1. till

    Natürlich wissen Nutzer was sie wollen. Sie können es vielleicht nicht immer explizit formulieren. Dass sie wissen, was sie wollen, sieht man aber doch daran, dass manche Angebote genutzt werden, andere nicht.
    Wir wissen aber nicht, was Nutzer wollen. Wir sollten mal diese moralische Empörung über Studierende, die zu doof sind, unsere wunderbaren elektrischen Kataloge zu nutzen und Wissenschaftler, die lieber mit Fachkollegen direkt paper sharing betreiben statt den heiligen Lieferdienst der Bibliothek zu benutzen, ablegen. Wissenschaftlich ist es nur, wenn es Schmerzen bereitet, oder was? Es ist überhaupt nicht Sache der Bibliothek darüber zu entscheiden, was eine gute Literaturrecherche ist. Das tun andere. Es ist ihre Sache, gute Werkzeuge zum Zugang zu Wissen zur Verfügung zu stellen. Werkzeuge, die dem Willen der Benutzer entsprechen. Das heißt ja nicht, dass man Dauerbespaßung mit seichten Unterhaltsungsprogrammen anbieten muss (wie dann auch mal unterstellt wird). Wer zur Bibiliothek kommt, will schon Wissen haben und erwartet da auch nix anderes. Dass es Sex and Drugs woanders gibt, weiß jeder. Aber wer hat denn mal wirklich systematische Benutzertests mit seinem OPAC gemacht? Und daraus echte Konsequenzen gezogen (die über „runde Ecken“, Umbenennung irgendwelcher Links und den Umbau der Titelanzeige hinausgehen)?
    Die Konsequenz kann auch nicht die Erziehung zur Lernkompetenz mit dem Nürnberger Trichter sein. Bei Amazon (um diesen elenden Vergleich noch weiter zu überfrachten) kann ich auch ohne Schulung bestellen.
    Man darf auch gerne mal über den Tellerrand schauen und sich z.B. mit Lerntheorien wie dem Konnektivismus beschäftigen, bevor man darüber lamentiert, dass Bücher nicht mehr von vorne nach hinten gelesen werden.

  2. Pingback: Auch mal Selbstkritik « Bibliotan

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