Fachreferent oder Wissensmanager – Erwartungen von Direktorinnen und Direktoren…


…und Angebote der Ausbildungsträger in Berlin und Potsdam

BBK Gesprächskreis

Von links nach rechts:

  1. Prof. Dr. Claudia Lux, Generaldirektorin der Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin
  2. Prof. Dr. Michael Seadle, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin
  3. Dr. Andreas Degwitz, Informations-, Kommunikations- und Medienzentrum der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus, Stellvertretender Vorsitzender des VDB Regionalverbandes Berlin-Brandenburg (Moderation)
  4. Prof. Dr. Hans-Christoph Hobohm, Dekan des Fachbereichs Informationswissenschaften der Fachhochschule Potsdam
  5. Prof. Dr. Ulrich Naumann, Direktor der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin

ZU dieser am 28. April 2008 vom Regionalverband Berlin-Brandenburg des VDB in den Räumlichkeiten des Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaft ausgetrageben Veranstaltung trafen sich einige Bibliotheksikonen aus Berlin-Brandenburg um über die Anforderungen an den höheren Bibliotheksdienst auch mit den Lehrenden der Fachhochschule Potsdam und der Humboldt-Universität zu diskutieren.

Begonnen wurde mit den Kopetenzanforderungen: Nutzerorientierung, Technologieknowhow, Betriebswirtschaft und Managementsoftskills. Anwärter auf die Leitungspositionen im höheren Dienst in Bibliotheken sollten einiges davon mitbringen. Die Bibliothek, so Andreas Degwitz in seiner Impulsvorrede biete großen Platz für das Professionelle. Sie sei eine Expertenorganisation und Profibürokratie. Dann gab Herr Degwitz das Wort an Herrn Naumann mit dem Verweis, dass Erschließung weiterhin der Kern bibliothekarischer Arbeit ist.

Herr Naumann möchte keine Introvertierten, keine Fachreferatsleiter, sondern vor allem Profile mit 30% Managementskills. Diese skillsmitzubringen seie wesentlich, um innerhalb der Bibliothek Bereiche und Einheiten zu leiten. „Keine Introvertierten aber auch keine Staatsschauspieler“, so Herr Naumann.

Frau Lux stimmte bezüglich der Managementqualifikationen zu und betonte die Kompetenzen Teamarbeit, Projektarbeit, Projektabwicklung sowie Auswahl der Medien. Zusätzlich betonte sie die Kenntnis der rechtlichen Bedingungen, die Organisationsfähigkeit sowie die Menschenführung.

Herr Hobohm, jetzt nicht mehr aus der Direktoren- sondern aus der Lehrperspektive, machte auf die Praxisanbindung, die durch projektorientierte Studiengänge wie den BA ermöglicht würden, aufmerksam und die daraus sich bei Studierenden ausprägenden Problemlösungskompetenzen. Sollten die Studierenden dann schließlich den MA dranhängen, so wären sie qualifiziert „neue Lösungen in einer komplexten Welt zu entwickeln“. Dabei warb er besonders mit dem Potsdamer Master, der in zwei Jahren kommen wird. Allerdings, so wurde der Ball an die Praxis zurückgespielt, müsse man wissen, was der Boden ist, auf dem die neuen Manager und Wissensexperten antreten werden.

Keine klare Antwort, sondern der Hinweise auf Changemanagement, kreative Ideen sowie der Entschluß die Dinge weiterzubringen, war die Reaktion von Frau Lux. Michael Seadle verkündete, dass auch an seinem Fachbereich auf die Probleme, die unsere bibliothekarische Welt umtreiben, eingegangen wird und Lösungen dazu vermittelt werden. Auch betonte er den Schwerpunk auf der Forschung an seinem Fachbereich. Insgesamt gesehen, so Seadle, verfügen diese Studenten nach ihrem Master über die geforderten Problemlösungskompetenzen.

Frau Lux stellte Fragen, auf die man nur tendenziell Antworten finden konnte. Wo landen dann die Bibliothekare? Wie sieht die Bibliothekslandschaft der Zukunft aus?

Bezüglich der aufgeworfenen Frage nach der Technologiekompetenz der Anwärter auf die höheren Bibliothekstätigkeiten wurde von allen das Prädikat „sehr wichtig“ vergeben. Auch das Wissen darum, was man daraus bauen kann(verstehen mit welchen Techniken es zu tun hat), wurde allseits betont. Herrn Naumann war auch wichtig, dass er Verantwortungen abgeben kann und sich raushalten kann, in dem Wissen, dass seine Leute die Dinge übernehmen können und sie im Griff haben. Selbstständige Leute sind gefragt, die Probleme innerhalb der bestehenden Strukturen zu kommunizieren ihre Kompetenzen unter Beweis stellen.

In der anschließenden Diskussion wurde einige kontroverse Punkte aufgeworfen:

Fähigkeiten der HU-Studenten des konsekutiven Master oder des Magisters werden zum Teil nicht anerkannt.

EIn Referendariat wird meistens als Eingangsvoraussetzung für den höheren Dienst gefordert.

Gewünschte Qualifikationen werden im Bewerbungsgespräch meist durchgehend nicht erfüllt.

Die Inhalte der Berufswelt müssen im Studium adäquat abgebildet werden.

Verschiedenartige (eben nicht harmonisierte) Qualifikationen und berufliche Curricula seien der Komplexität der Bibliothekswelt zuträglich.

Abschließend wurden nochmals Grundprobleme aufgeworfen: Wie können wir Informationen vermitteln? Welche Prozesse laufen eigentlich ab? Die Informationswissenschaft habe als Wissenschaft eine sehr schwierige Stellung. Das Vergütungsverständnis innerhalb des Verwaltungssystems manipuliere die Intention der Einstellung bzw. die Personalentscheidung.

3 Kommentare

  1. Maximilian

    Mal ganz ehrlich: Das Wort „Manager“ ist mittlerweile nicht mehr wert als saurer Regen. Keiner interessiert sich dafür und nutzlos ist es erst recht. Manager ist ja heutzutage jeder. Sogar der McDoof-Verkäufer ist ein face-to-face Manager. Kann dieser inflationäre Gebrauch dieses Wortes nicht endlich gestoppt werden? Herr, wirf keinen Manager, sondern Hirn vom Himmel!

  2. Hi Maximilian,

    harsche Kritik ist das von dir. Aber bei der oben genannten Veranstaltung, (hieß wirklich so), postulierten die RednerInnen die wichtige Anforderung an die zukünftigen Referenten, dass sie personalaufwändige Bibliothekssektionen verwalten und steuern. Wie immer man diese Kompetenz auch nennen soll, ich glaube Managementkompetenz wurde von allen i.d.S. verstanden, auch wenn heute jeder Seppel Managementkompetenzen betont.

    LG

  3. Pingback: Informationskompetenz für BibliothekarInnen… « BibliothekarInnen sind uncool

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