von Anastasia Schadt, Ingo Caesar und Dierk Eichel

Der 98. Bibliothekstag fand in Erfurt, der schönen Landeshauptstadt Thüringens statt und auch in diesem Jahr gab es ein umfangreiches Programm und viel zu entdecken. Man konnte zwischen zahlreichen Vorträgen, Workshops, Firmenvorträen etc. aus einem bunten Programm wählen und sich die neusten Entwicklungen aus der Bibliothekswelt auf der Firmenaustellung anschauen.

“Die Bibliotheken gehen spielen” – Wir spielten mit!

Wer mit offenen Augen das Messegelände erkundete, konnte viel Spannendes entdecken. Die KIBA-Lounge bot leckere Kirschen und Berichte von Studierenden und Alumni verschiedener Hochschulen. Es gab den Newcomertreff mit Postern rund um das Thema „Ein Blick über den Tellerrand!“, nette Gespräche bei Monsenstein und Vannerdat, Kaffee und bequeme Möbel bei Schulz Speyer, diverse Selbstverbuchungsautomaten zum Ausprobieren und vieles mehr. Und natürlich traf man irgendwann auch auf die Zukunftswerkstatt. Mit X-Box und Wii-Station zog sie die Vorbeiziehenden in ihren Bann. Hatte man erst einmal das Parallelprogramm von Jin Tan, Julia Bergmann und Christoph Deeg, den InitatorInnen der Zukunftswerkstatt, in der Hand, war klar, das ist spannend, hier möchte man ein Weilchen länger bleiben. Das eigentliche Programm geriet schon bald in Vergessenheit.


Besucheransturm auf die Zukunftswerkstatt

Besucheransturm die Zweite

Gleich am ersten Tag lud die Zukunftswerkstatt nicht nur zu Vorträgen am Stand, sondern auch zur Podiumsdiskussion im großen Panoramasaal ein. Mit interessanten Gästen wie Claudia Lux (Direktorin Zentral- und Landesbibliothek Berlin), Gabriele Beger (Direktorin Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg),  Malte Behrmann (Geschäftsführer des Bundesverbandes der Entwicker von Computergames) und Willi Schroll (Technologieanalyst, freier Strategieberater und Zukunftsforscher) wurde die Bedeutung von Games, dem Web 2.0 und modernen Techniken in Bibliotheken erörtert. Pro und Contra von Games wurden aufgezeigt und Fragen wie „Sind Games in Bibliotheken ein Trend oder nicht?“, „Handelt es sich dabei um ein vollwertiges Kulturgut?“ oder „Kann man gemeinsam daran arbeiten, dass Bibliotheken die Möglichkeit bekommen, Games langfristig zu archivieren ohne Urheberrechte zu verletzen?“ diskutiert. Man wurde sich nicht in allen Punkten einig, allerdings war man einhellig der Meinung, dass Bibliotheken sich mehr trauen und ausprobieren müssen, um Trends rechtzeitig erkennen zu können und um für NutzerInnen attraktiv zu bleiben.

Podiumsdiskussion Zukunftswerkstatt

Tags darauf wurde ein Dauerprogramm interessanter Vorträge, direkt am Stand der Zukunftswerkstatt geboten. Sebastian Wilke machte den Anfang und berichtete von seiner Zeit in den Staaten und seinen Praktika in der New York Public Library und der Library of Congress. Dabei brachte er uns die amerikanische Arbeitsweise in Bibliotheken ein wenig näher. Es folgte Spannendes zum Web 2.0 von Fabienne Kneifel, Anne Christensen, Lambert Heller und Patrick Danowski u.a. Sie alle erklärten uns, warum sie das Web 2.0 nutzen und warum Bibliotheken es Ihnen nachtun sollten. Christoph Deeg bot einen augenöffnenden Vortrag zu Marketing in Bibliotheken und Prof. Dr. Hans Christoph Hobohm beschrieb ein Projekt seiner Studierenden zum Thema Trends und Trendforschung. Dabei erklärte er uns auch, dass Web 2.0 schon gar kein Trend mehr sei und man zur Zeit eher auf Themen wie Ökologie und Green-IT setzten könne. Abschließend sprach Jin Tan darüber, wie Handyromane zur Zeit in Japan boomen. Dabei handelt es sich um Texte in kurzen und einfachen Sätzen, die ihre Verbreitung über das Mobiltelefon finden und erst später eventuell in Printform erscheinen.

Fabienne Kneifele

Fabienne Kneifele

Sebastian Wilke

Sebastian Wilke

Diese und zahlreiche Beiträge mehr kann und sollte man sich nachträglich über Youtube anschauen. Außerdem stehen die Folien der Vorträge in Slideshare und die am Stand gemachten Fotos in Flickr. Dieser Service bietet eine wunderbare Möglichkeit, Verpasstes nachzuholen oder Beiträge, die einem besonders gefallen haben, noch einmal anzuschauen. Außerdem wird durch diese Diensten natürlich denjenigen, die nicht in Erfurt sein konnten, eine tolle Gelegenheit geboten, sich das Programm zu Gemüte zu führen. Bei dem umfangreichen Angebot wäre dies eine wünschenswerte Dienstleistung für den gesamten Bibliothekstag und natürlich auch für andere Konferenzen und Tagungen.

Vor, nach und während der Beiträge wurde diskutiert, was das Zeug hielt. Leute kamen vorbei und blieben, aufmerksam geworden durch die Parallelveranstaltungen, Spielekonsolen und zappelnden Wii-Spieler, neugierig stehen. Viele wollten wissen, was es mit diesem Stand auf sich hatte, ließen sich die Ebook-Reader erklären, diskutierten über Web 2.0, Games und die neusten Entwicklungen in der Bibliothekswelt. Viele kamen wieder, teils um Gespräche erneut aufzugreifen, teils zum Twittern oder Bloggen, oder einfach zum Entspannen und Spielen.  Spaß hatten auf jeden Fall alle, die die Zukunftswerkstatt besuchten und, um einige Erkenntnisse reicher, zogen die meisten weiter.

Vergleich der EBook-Reader

Vergleich der aktuellen EBook-Reader

KIBA-Lounge

Die Lounge der „Konferenz der informations- und bibliothekswissenschaftlichen Ausbildungs- und Studiengänge“ wurde dieses Mal von StudentInnnen der FH Potsdam betrieben. Acht KommilitonInnen aus dem 4. und 6. Semester (der Bachelorstudiengang nennt sich „library management“, der Diplomstudiengang  „Bibliothek“) organisierten schon Wochen im Vorfeld das Programm, druckten Flyer und Poster, machten die KIBA-Lounge publik. Sie waren es auch, die den Stand auf dem Bibliothekstag auf- und wieder abbauten. Diese sogenannten Lounger betreuten während der drei Tage liebevoll die Gäste  und dekorierten, mit viel Gefühl für die Kleinigkeiten, die Lounge mit Blümchen, Kirschen (nächstes mal gibt’s vielleicht auch Bananen) und Süßigkeiten.
Zum zweiten mal auf dem Bibliothekstag, bot sich die KIBA-Lounge all denjenigen als Gastgeberin an, die sich keine eigene Präsenz leisten wollten oder konnten. Ob als Party-Meile für die Alumni Treffen von Köln, Hamburg oder Hannover mit Sekt, Keksen und Luftballons oder als informativer Beratungsort für Leipzig, Genf und Potsdam, es war eine lockere Atmosphäre mit vielen Menschen in angeregter Unterhaltung. Und auch die LIS-Corner war zu Gast, als Netzwerk vieler StudentInnen aus dem deutschsprachigen Library und Information science (LIS) Bereich bot sich die ideale Gelegenheit, sich auch mal persönlich zu treffen und natürlich auch, um Pläne für die zukünftige Entwicklung der LIS-Corner  zu schmieden.
Die  AutorInnen möchten an dieser Stelle allen LoungerInnen für die aufopferungsvolle Arbeit danken und Ihnen ein dickes Lob aussprechen. Vielen, vielen Dank!

Teil der Orga-Gruppe

Teil der Orga-Gruppe

Frau Georgi, Chefin der KIBA

Frau Georgi, Chefin der KIBA

Präsentationsvorbereitung der Genfer

Präsentationsvorbereitung der Genfer

Vortrag der Genfer

Vortrag der Genfer

Vortrag der Genfer

Vortrag der Genfer

Was sonst noch so ging

Weitere interessante Beiträge waren der Vortrag von Curtis Rogers: “Social Media, Libraries, and Web 2.0: How American Libraries are Using New Tools for Public Relations and to Attract New Users“, der eindringlich zeigte, dass ein toller Webauftritt mit minimalen Mitteln zu erreichen ist, dass es aufregend sein kann, Web 2.0 Anwendungen in der eigenen Bibliothek auszuprobieren, aber auch, dass diese Anwendungen so funktionieren wie Haustiere: Man muss sie pflegen, sich um sie kümmern, ihnen Nahrung und Zuneigung geben, damit sie wachsen und gedeihen können.
Für alle One Person Libraries (OPLs) und -librarians interessant, war sicherlich der alljährlich stattfindende OPL-Workshop, der diesmal von Dr. Jürgen Plieninger eingeleitet wurde, der aus seinem Bibliotheksalltag berichtete. Er präsentierte einen kurzen, auch historischen Abriss des OPL-Managements, wies auf die Unterstützung hin, die die OPL-Kommision des BIB (Berufsverband Information Bibliothek) allen OPLs gibt, wenn sie dieser bedürfen. Herr Plieninger wies auf alle wesentlichen Bestandteile einer qualifizierten OPL-Arbeit hin: Leitbild, Mission Statement, Beachtung der OPL-Checklisten, das Profil der Bibliothek scharfhalten, Umfragen und Statistiken nicht vernachlässigen uvm. Man muss verdeutlichen, dass die Nutzer die Bibliothek wertschätzen, Führsprecher gewinnen, Rahmenbedingungen erkennen und ausweiten. Neue Dienste sollten ohne viel Tamtam eingeführt und getestet werden. Wichtig in kleinen Bibliotheken ist besonders die Erfolgsdarstellung (Jahresbericht, Newsletter, Statistiken). Herr Plieninger betonte, dass die Geschichte der OPLs auch immer eine Geschite des Downsizings und der Bibliotheksschließung war und ist. Man könne letzendlich eine Schließung nicht verhindern, aber man kann darauf hinarbeiten, dass man in solchen Momenten viele Fürsprecher hat, dass man wichtige Dienstleitungen aufzeigen kann und dass man wichtige Multiplikatorinnenarbeit nach innen und nach oben leistet. Am Ende wurde das Bild vom Generalisten Robinson um das Bild vom lachenden Sisyphos ergänzt: Der Stein, den er immer wieder den Berg hochrollt, kann durch gute Arbeit etwas runder werden, so dass es leichter fällt, ihn zu bewegen – die Arbeit wird dann hoffentlich leichter und zugleich besser.

Eine weitere interessante Veranstaltung war das völlig überfüllte Panel zu dem Thema “Hinter den Kulissen einer Suchmaschine – optimierte Recherche durch Integration, Innovation und Kooperation”. Hier wurden u.a. diverse Konzepte, zur Suche in verschiedenen Repositorien in Vascoda oder Sowiport aufgezeigt. Es ging um verschiedene Protokolle, um das Mapping von Thesauri und Schlagwortlisten, um Metadataharvesting und um IT-Infrastrukturen. So wurde etwa der von der GESIS entwickelte Heterogenitätschecker vorgestellt. Dieses Tool hat  bei einer Sowiport Suche die Aufgabe, dass man über einen bestimmten Suchbegriff etliche andere sinnverwandte Begriffe mitsuchen kann. Technisch umgesetzt wurde dieses durch sogenannte Krosskonkordanzen: Etwa vierzehn Thesauri wurde so miteinander verbunden (gemappt), das die sinnverwandten Wörter der verschiedenen Thesauri in Übereinstimmung gebracht werden können. Sucht man etwa nach dem Term “Politik”, kann man eine Option einschalten, die den “Heterogenitätschecker” aktiviert: So wird automatisch auch nach den Begriffen “Policy” und “Politics” gesucht.

Weiteres Highlight, diesmal aus dem Bereich der Öffentlichen Bibliotheken, war der Bericht der Stelle Mediennkonvergenz Monitoring zum Thema: Der Spieler – Veränderungen in der Medienwelt Heranwachsender, vorgestellt durch Prof. Dr. Hartmut Warkus. Kernaussage war hier, dass TV und Radio für Jungendliche zunehmend langweilig werden. Das gilt  besonders im Musikbereich: PC, MP3-Player und Handy sind total in. Auch die Anwendung von Social-Networks für die Gruppe der Jugendlichen wurde betont: Schüler-VZ läuft bei allen PC-Tätigkeiten permanent im Hintergrund, so Warkus.

Prof. Dr. Hobohm, Dekan am Fachbereich Informationswissenschaften der FH Potsdam, stellte uns einen neuen Typus von BibliothakarIn vor, den “Data Librarian” (Wir verwenden diesen Begriff geschlechtsneutral). Anstatt mit Büchern hantiert dieser mit Daten. Diese sogenannten Rohdaten sind das Produkt meist jahrelanger Forschung von WissenschaftlerInnen aus allen möglichen Bereichen. SozialforscherInnen erheben Umfragen, GeologInnenen sammeln Gesteinsproben und PhysikerInnen notieren Messwerte. Sie erzeugen neues Wissen und publizieren es in Fachzeitschriften. Die Daten allerdings, die die Grundlage dieses Wissenserwerbs bilden, werden meist vergessen. Mit der zunehmenden digitalen Erfassung der Rohdaten wird auch der weltweite Zugriff über das Internet möglich. Da oft Unmengen an solchen Daten erzeugt werden, sehen sich die potenziellen NutzerInnen einer wahren Datenflut gegenüber. Genau hier kommt der/die BibliothekarIn ins Spiel mit ihren altbewährten Tugenden vom Sammeln, Zugänglichmachen und Erhalten, nämlich als Schnittstelle zwischen den WissenschaftlerInnen, welche die Daten erzeugen und denjenigen die diese Daten etwa für  ganz andere Bereiche nutzen möchten. Der Data Librarian sammelt die digitalen Daten in geeigneter Weise, macht sie über eindeutige Identifikatoren über das Internet bequem zugänglich und kümmert sich auch um deren Langzeitarchivierung. So ist uns InforamtionswissenschaftlerInnen das Aufgabenspektrum des Data Librarien durchaus vertraut. Er benötigt aber auch eine spezielle Anpassung an das „neue Medium“ DATA. Und mit der Ausbreitung des Konzepts des „open data“ kann er zugleich einem Lieblingsthema der BibliothkarInnen nachgehen: OPEN ACCESS.

Prof. Dr. Hobohm

Prof. Dr. Hobohm über Data Librarians

Abgerundet …

… wurde der Besuch des Bibliothekstag durch insgesamt trockenes Wetter mit einem schönen und heiter-fidelen Alumni Treffen der Potsdamer InformationswissenschaftlerInnen im Goldenen Schwan am Mittwoch Abend. Wie immer diente die Veranstaltung vor allem dem regen Austausch und dem Knüpfen neuer Kontakte. Unseres Erachtens lassen sich als Fazit drei Besonderheiten herausstellen:

  • Öffentlichkeitsarbeit und Bibliotheksmarketing wurden verstärkt als die Kernaufgabe von Bibliotheken wahrgenommen.
  • Der sinnvolle Umgang mit Web 2.0 Anwendungen in Bibliotheken hat sich zum Mainstream entwickelt.
  • Die Welt wird zukünftig verstärkt über Games erfahrbar werden. Dabei bleiben die Bibliotheken am Ball.

Allerdings war es etwas traurig, dass bei der Preisverleihung zum studentischen Ideenwettbewerb der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation e.V. (DINI) “Lebendige Lernorte”, die innovative Gruppe der “Grünen Bibliothek” nicht prämiert wurde. Das Vorurteil vom verstaubten Altherrentreffen fanden wir nicht bestätigt. Uns begegneten durchaus viele junge und fortschrittliche BibliothekarInnen und es war schön zu sehen, wie die klischeebehaftete Bibliothekswelt ihre Fühler auszustrecken und offen für Neues war. Denn auch im eigentlichen Programm konnte man interessante, zukunftsorientierte Themen wie z.B. Web 2.0 in öffentlichen Bibliotheken, Bibliotheksdienste für soziale Netzwerke oder Open Data und Open Access finden. Wir wünschen uns mehr Stände wie die Zukunftswerkstatt für den Bibliothekskongress in Leipzig 2010 und hoffen dort wieder auf innovative, spannende und fortschrittliche Beiträge.

Alumni der FH-Potsdam im Goldenen Schwan

Alumni der FH-Potsdam im Goldenen Schwan

Videostatements

Über die AutorInnen

Anastasia Schadt studiert im 6. Semester am Fachbereich Informationswissenschaften der FH-Potsdam. Sie ist Mitorganisatorin der diesjährigen KIBA-Loungeund Mitinitiatorin der  LIS-Corner.

Ingo Caesar studiert im 6. Semester am Fachbereich Informationswissenschaften der FH-Potsdam, ist Mitarbeiter an der Bibliothek des Deutschen Instituts für Menschenrechte und unterstützte die Arbeit der Zukunftswerkstatt auf dem Bibliothekstag.

Dierk Eichel studiert im 6. Semester am Fachbereich Informationswissenschaften der FH-Potsdam. Er ist Mitorganisator der diesjährigen KIBA-Lounge und Mitinitiator der LIS-Corner.

Alle drei AutorInnen sind aktive BloggerInnen und InitiatorInnen des blogs “BibliothekarInnen sind uncool“, den Ihr gerade vefolgt.

Dieser Artikel erscheint mit kleinen Abweichungen am 17. 06. 2009 in der neuen Ausgabe der BRaIn: Potsdamer Beiträge und Reportagen aus der Informationswissenschaft

Nachdem wir unser Konzept beim DINI-Wettbewerb “Lebendige Lernorte” eingereicht haben geht es in die nächste Runde.
Am Montag, den 20.04.2009 treffen wir uns wieder um 20.00 im Mano. Alle die sich für das Projekt interessieren sind wie immer herzlich eingeladen, vorbeizukommen und mitzumachen, oder sich die Idee einfach erst mal anzuhören. Diesmal wollen wir vorallem die geplante Teilnahme am Wettbewerb DM – Sei ein Futurist besprechen.


Warburg Institute

10. Dezember 2008

Als reicher Kaufmannssohn und ohne wissenschaftliche Ausbildung baute Aby Warburg um die Jahrundertwende zum 20. Jahrhundert seine Bibliothek in Hamburg auf. Mit seinem eigenen Klassifikationssystem hat er einen bedeutenden Beitrag für  Bibliothekswissenschaft und -geschichte geleistet. Einer ganzheitlich geisteswissenschaftlichend Idee entsprechend, ist die Bibliothek in einem runden Raum entlang der Wand aufgestellt. Sie soll so gemacht sein, dass man in der Umgebung eines Buches z.B. innerhalb der Philosophie alle anderen philosophischen Bücher zu einem ähnlichen Thema findet, aber auch in der Psychologie dasselbe Buch unter einem psychologischen Thema antreffen kann. Man findet ein Exemplar in der literaturwissenschaftlichen Sektion und vielleicht dasselbe Exempar auch in der Kunstsektion. Die Idee ist eine Idee der Moderne: die ganzheitliche Abbildung der geistigen Welt in einer Aufstellung, die für jeden Zusammenhang einen Standort bereithält. Und dies alles innerhalb eines im Kreis angeordneten Bestandes.

De natura rerum of Isidore of Seville (560– 636) printed at Augsburg in 1472

Das Institutsemblem (auch am Eingang, s. Foto unten) zeigt vier Elemente, aus denen die Welt besteht  (zwei Gegensatzpaare):

Earth is linked to water by the common quality of cold, water to air by the quality of moisture, air to fire by heat and fire to earth by dryness.” (Quelle)

Davon abgeleitet werden die vier  Dimensionen: Handlung – Orientierung – Wort – Bild. Der Clou bei dieser Zuordnung ist die Zuordnung von Wissenschaften und Fachgebieten entsprechend der vier Kategorien. Kultur- und politische Geschichte (und deren Unterkategorien) werden mit Handeln,  Wissenschaft und Religion mit Orientierung, Literatur mit dem Wort und Kunst mit dem Bild verbunden. In diesem Obersystem gehen alle denkbaben geisteswissenschaftlichen Kategorien auf. Die Frage nach der richtigen Anordnung hat Warburg sein Leben lang umtrieben.

Zu den besonderen Schätzen (heute) zählen die Digitalen Quellen, mühsam digitalisierte Ikonographien, Handschriften oder  Stiche.  Warburg hat sich besonders für Zeichnungen von Festen,  Embleme, Rennaisancestiche, Fabelwesen oder mythologischen Darstellungen interessiert, die zum Teil aus dem 15. Jh. stammen.  Alle diese Digitalisate basieren auf Quellen, die zum Teil noch auf Warburgs eigenem Bestand gründen.  Die Digitalisate sind für nicht-kommerzielle Zwecke frei als pdf verfügbar. Nach Warburgs Tod wurde die Bibliothek vor den Nazis nach Londen gerettet, wo sie am Ende an die University of London angeschlossen wurde. Anschluss und andere Direktoren haben auch dazu geführt, das von der Kreisanordnung des Bestandes abgelassen werden musste. Warburgs Idee der kulturwissenschaftlichen Bibliothek lebt aber durch die BibliothekarInnen, die übrigens auch alle eine fachwissenschaftliche Ausbildung haben, als Ideal fort, das konnte man bei der Besichtigung spüren. Die Bibliothek sieht heute auf den ersten Blick wie jede andere Universitätsbibliothek aus. Die ursprüngliche Systematisierung könnte für den heutigen Nutzen nochmals untersucht werden.

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Literatur

Aby Warburg (1866-1929). The Survival of an Idea. Mathias Bruhn

… und natürlich der Wikipediaaufsatz

It is not only cheap coffee, it is the idea of Londons’ Idea Stores that rocks. This one, the “reference” for good practice is placed in between a bazar, the Whitechapel tube-station, a bank and a supermarket.
Idea Stores are more than just public libraries (or are they public libraries like they should be?) because of their objective to integrate people. Here in Whitechapel especially migrants or non natives are getting a first connection to British Culture (health facilities, language, public services). Language learnig in “learning labs”, CV in 24 Hours, free debt advice service, or easy to read literature are some of the  services that are offered. Literature in the languages of most represented migrant groups are also on-hand.  The library is used as an Internet Café. One can use the touch screen to search the catalog. Here you are becoming beware of  the fascinating idea of a vital library. Beside from that: Have you ever been faling asleep in a library because of feeling tired? It is usual here in London while in German Libraries you are only allowed to sleep when you are too tired of massive scientific reading! Getting an idea about  the obvious difference?

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GHIL, 3rd post

22. Oktober 2008

This is a “panorama shot” of one of the rooms of the library of the German Historical Institue in London.

Was war?

Die Lehrenden und Studierenden des unten genannten Fachbereichs der FH-Potsdam haben das Curriculum ihres Studiums bewertet. Davon betroffen sind zur Zeit 3 Semesterklasssen (2. 4. und 6. Semester) also ca. 270 Studierende. Hier die Hauptergebnisse.

Studenten sollen besser und stärker artikulieren, was sie möchten.

Studierende sollen sich bemerkbar machen, wenn Redundanzen in der Lehre aufkommen.

Studierende sollen sich stärker engagieren.

Was fiel auf?

Ist der “von allen” beschworene Paradigmenwechsel (Medienrevolution) am Fachbereich angekommen?

Wird er wirklich kommuniziert (unabhängig, ob von oben nach unten oder wie auch immer)?

Es wurde betont, dass die FH mehr ist als eine Berufsschule. Aber die Fähigkeiten einer beruflichen Ausblidung sollten dennoch vermittelt werden, oder? Wenn die FH mehr ist als eine Berufsschule, sollten auch kritische BibliothekarInnen das Ziel eines Curriculums sein, sonst werden sie noch uncool :-) . Das bezieht sich auch auf die Fragwürdigkeit bestimmter Lerninhalte. Das deeskalierende Element in der Moderation hatte eine allgemeine Wohlfühlstimmung zur Folge.

Unabhängig davon sind Ideen wie eine Veranstaltung zum Berufsbid “Bibliothekarin/Bilbiothekar” oder evtl. auch zum Wandel dieses Bildes durchaus willkommen, womit wir wieder oben angekommen sind. Was war nochmal?

Was bleibt?

Siehe: Der hilflose Knabe von Bertolt Brecht

Logo Bibcamp Bibliotheken sollten die Aufgabe wahrnehmen, auf die neuen Informationsbedürfnisse des Benutzers in Zeiten des Web 2.0 einzugehen. Weder mit dem Ansatz “Bibliothek als soziales Netzwerk ist technischer Schnickschnack” noch mit dem reinen Marketinggedanken “die Bibliothek mit web 2.0 Anwendungen aufzupeppen” ist die Notwendigkeit, neu über den Wirkungsbereich der Bibliothek in der aktuellen Epoche des Internets nachzudenken, richig erfasst.

Im “Kritik am Web 2.0″ Workshop im Rahmen des Bibcamps wurde deutlich, dass das freie Assoziieren der Daten von Bibliohtheken im Internet, die Schaffung von Schnittstellen zur pragmatischen Weiterverarbeitung für die Nutzer – also das Verbinden und Öffnen von Infomationen – eine Grundlage der neuen offenen Bibliothek sein sollte (Michael Heinz). Hierbei wurden auch Aspekte darüber, ob sich die Bibliothek als Institution zunächst verändern muss, debattiert. Die Exklusivität der Bibliothek und ihrer Dienste ist längst verloren (Traugott Koch). Deswegen muss sie sich dem, was den Nutzer und sein Informationsbedürfnis heute im web umtreibt, stellen und adäquate Kataloge, Daten und patizipatorische Freiheiten ermöglichen.

Die Exisitenz von Bibliotheken hängt vom Zuspruch der Nutzer ab. Bibliotheken werden allerdings nur dann angenommen, wenn sich ihre Existenz als sinnvoll erweist. Sie muss sich also gegenüber den übrigen Informationsmöglichkeiten behaupten, die ja permanent wachsen. Die mögliche Freigabe von Daten (Kataloge, Normdateien, Konvetierungsformate) zur Weiterverarbeitung und Verbreitung durch andere ist die große (vielleicht einzige) Chance auf deren Basis Bibliothekspräsens in den Informationsräumen des Internets gestärkt werden kann.

Anfang

20. Mai 2008

So, ich mach hier jetzt einfach mal den Anfang indem ich die neuen Bobcatsss2008 Proceedings anpreise. Diese sind nämlich ab sofort auch als Printversion erhältlich und umfassen sämtliche, in Zadar gehaltene Vorträge zum Thema “Providing Access to Information for Everyone“. Das gute Stück ist im Verlag BOCK + HERCHEN als Band 3 der Reihe „Beiträge zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft“ mit der ISBN 978-3-88347-259-1 erschienen.

Als Open Access-Fassung kann man die Texte übrigens auf dem edoc-Server der HU finden: http://edoc.hu-berlin.de/conferences/bobcatsss2008/

Lohnt sich auf jeden Fall mal reinzuschauen!

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