Online-Information 2009

1. Oktober 2009

von Anastasia Schadt, Ingo Caesar und Dierk Eichel

Der 98. Bibliothekstag fand in Erfurt, der schönen Landeshauptstadt Thüringens statt und auch in diesem Jahr gab es ein umfangreiches Programm und viel zu entdecken. Man konnte zwischen zahlreichen Vorträgen, Workshops, Firmenvorträen etc. aus einem bunten Programm wählen und sich die neusten Entwicklungen aus der Bibliothekswelt auf der Firmenaustellung anschauen.

„Die Bibliotheken gehen spielen“ – Wir spielten mit!

Wer mit offenen Augen das Messegelände erkundete, konnte viel Spannendes entdecken. Die KIBA-Lounge bot leckere Kirschen und Berichte von Studierenden und Alumni verschiedener Hochschulen. Es gab den Newcomertreff mit Postern rund um das Thema „Ein Blick über den Tellerrand!“, nette Gespräche bei Monsenstein und Vannerdat, Kaffee und bequeme Möbel bei Schulz Speyer, diverse Selbstverbuchungsautomaten zum Ausprobieren und vieles mehr. Und natürlich traf man irgendwann auch auf die Zukunftswerkstatt. Mit X-Box und Wii-Station zog sie die Vorbeiziehenden in ihren Bann. Hatte man erst einmal das Parallelprogramm von Jin Tan, Julia Bergmann und Christoph Deeg, den InitatorInnen der Zukunftswerkstatt, in der Hand, war klar, das ist spannend, hier möchte man ein Weilchen länger bleiben. Das eigentliche Programm geriet schon bald in Vergessenheit.


Besucheransturm auf die Zukunftswerkstatt

Besucheransturm die Zweite

Gleich am ersten Tag lud die Zukunftswerkstatt nicht nur zu Vorträgen am Stand, sondern auch zur Podiumsdiskussion im großen Panoramasaal ein. Mit interessanten Gästen wie Claudia Lux (Direktorin Zentral- und Landesbibliothek Berlin), Gabriele Beger (Direktorin Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg),  Malte Behrmann (Geschäftsführer des Bundesverbandes der Entwicker von Computergames) und Willi Schroll (Technologieanalyst, freier Strategieberater und Zukunftsforscher) wurde die Bedeutung von Games, dem Web 2.0 und modernen Techniken in Bibliotheken erörtert. Pro und Contra von Games wurden aufgezeigt und Fragen wie „Sind Games in Bibliotheken ein Trend oder nicht?“, „Handelt es sich dabei um ein vollwertiges Kulturgut?“ oder „Kann man gemeinsam daran arbeiten, dass Bibliotheken die Möglichkeit bekommen, Games langfristig zu archivieren ohne Urheberrechte zu verletzen?“ diskutiert. Man wurde sich nicht in allen Punkten einig, allerdings war man einhellig der Meinung, dass Bibliotheken sich mehr trauen und ausprobieren müssen, um Trends rechtzeitig erkennen zu können und um für NutzerInnen attraktiv zu bleiben.

Podiumsdiskussion Zukunftswerkstatt

Tags darauf wurde ein Dauerprogramm interessanter Vorträge, direkt am Stand der Zukunftswerkstatt geboten. Sebastian Wilke machte den Anfang und berichtete von seiner Zeit in den Staaten und seinen Praktika in der New York Public Library und der Library of Congress. Dabei brachte er uns die amerikanische Arbeitsweise in Bibliotheken ein wenig näher. Es folgte Spannendes zum Web 2.0 von Fabienne Kneifel, Anne Christensen, Lambert Heller und Patrick Danowski u.a. Sie alle erklärten uns, warum sie das Web 2.0 nutzen und warum Bibliotheken es Ihnen nachtun sollten. Christoph Deeg bot einen augenöffnenden Vortrag zu Marketing in Bibliotheken und Prof. Dr. Hans Christoph Hobohm beschrieb ein Projekt seiner Studierenden zum Thema Trends und Trendforschung. Dabei erklärte er uns auch, dass Web 2.0 schon gar kein Trend mehr sei und man zur Zeit eher auf Themen wie Ökologie und Green-IT setzten könne. Abschließend sprach Jin Tan darüber, wie Handyromane zur Zeit in Japan boomen. Dabei handelt es sich um Texte in kurzen und einfachen Sätzen, die ihre Verbreitung über das Mobiltelefon finden und erst später eventuell in Printform erscheinen.

Fabienne Kneifele

Fabienne Kneifele

Sebastian Wilke

Sebastian Wilke

Diese und zahlreiche Beiträge mehr kann und sollte man sich nachträglich über Youtube anschauen. Außerdem stehen die Folien der Vorträge in Slideshare und die am Stand gemachten Fotos in Flickr. Dieser Service bietet eine wunderbare Möglichkeit, Verpasstes nachzuholen oder Beiträge, die einem besonders gefallen haben, noch einmal anzuschauen. Außerdem wird durch diese Diensten natürlich denjenigen, die nicht in Erfurt sein konnten, eine tolle Gelegenheit geboten, sich das Programm zu Gemüte zu führen. Bei dem umfangreichen Angebot wäre dies eine wünschenswerte Dienstleistung für den gesamten Bibliothekstag und natürlich auch für andere Konferenzen und Tagungen.

Vor, nach und während der Beiträge wurde diskutiert, was das Zeug hielt. Leute kamen vorbei und blieben, aufmerksam geworden durch die Parallelveranstaltungen, Spielekonsolen und zappelnden Wii-Spieler, neugierig stehen. Viele wollten wissen, was es mit diesem Stand auf sich hatte, ließen sich die Ebook-Reader erklären, diskutierten über Web 2.0, Games und die neusten Entwicklungen in der Bibliothekswelt. Viele kamen wieder, teils um Gespräche erneut aufzugreifen, teils zum Twittern oder Bloggen, oder einfach zum Entspannen und Spielen.  Spaß hatten auf jeden Fall alle, die die Zukunftswerkstatt besuchten und, um einige Erkenntnisse reicher, zogen die meisten weiter.

Vergleich der EBook-Reader

Vergleich der aktuellen EBook-Reader

KIBA-Lounge

Die Lounge der „Konferenz der informations- und bibliothekswissenschaftlichen Ausbildungs- und Studiengänge“ wurde dieses Mal von StudentInnnen der FH Potsdam betrieben. Acht KommilitonInnen aus dem 4. und 6. Semester (der Bachelorstudiengang nennt sich „library management“, der Diplomstudiengang  „Bibliothek“) organisierten schon Wochen im Vorfeld das Programm, druckten Flyer und Poster, machten die KIBA-Lounge publik. Sie waren es auch, die den Stand auf dem Bibliothekstag auf- und wieder abbauten. Diese sogenannten Lounger betreuten während der drei Tage liebevoll die Gäste  und dekorierten, mit viel Gefühl für die Kleinigkeiten, die Lounge mit Blümchen, Kirschen (nächstes mal gibt’s vielleicht auch Bananen) und Süßigkeiten.
Zum zweiten mal auf dem Bibliothekstag, bot sich die KIBA-Lounge all denjenigen als Gastgeberin an, die sich keine eigene Präsenz leisten wollten oder konnten. Ob als Party-Meile für die Alumni Treffen von Köln, Hamburg oder Hannover mit Sekt, Keksen und Luftballons oder als informativer Beratungsort für Leipzig, Genf und Potsdam, es war eine lockere Atmosphäre mit vielen Menschen in angeregter Unterhaltung. Und auch die LIS-Corner war zu Gast, als Netzwerk vieler StudentInnen aus dem deutschsprachigen Library und Information science (LIS) Bereich bot sich die ideale Gelegenheit, sich auch mal persönlich zu treffen und natürlich auch, um Pläne für die zukünftige Entwicklung der LIS-Corner  zu schmieden.
Die  AutorInnen möchten an dieser Stelle allen LoungerInnen für die aufopferungsvolle Arbeit danken und Ihnen ein dickes Lob aussprechen. Vielen, vielen Dank!

Teil der Orga-Gruppe

Teil der Orga-Gruppe

Frau Georgi, Chefin der KIBA

Frau Georgi, Chefin der KIBA

Präsentationsvorbereitung der Genfer

Präsentationsvorbereitung der Genfer

Vortrag der Genfer

Vortrag der Genfer

Vortrag der Genfer

Vortrag der Genfer

Was sonst noch so ging

Weitere interessante Beiträge waren der Vortrag von Curtis Rogers: „Social Media, Libraries, and Web 2.0: How American Libraries are Using New Tools for Public Relations and to Attract New Users„, der eindringlich zeigte, dass ein toller Webauftritt mit minimalen Mitteln zu erreichen ist, dass es aufregend sein kann, Web 2.0 Anwendungen in der eigenen Bibliothek auszuprobieren, aber auch, dass diese Anwendungen so funktionieren wie Haustiere: Man muss sie pflegen, sich um sie kümmern, ihnen Nahrung und Zuneigung geben, damit sie wachsen und gedeihen können.
Für alle One Person Libraries (OPLs) und -librarians interessant, war sicherlich der alljährlich stattfindende OPL-Workshop, der diesmal von Dr. Jürgen Plieninger eingeleitet wurde, der aus seinem Bibliotheksalltag berichtete. Er präsentierte einen kurzen, auch historischen Abriss des OPL-Managements, wies auf die Unterstützung hin, die die OPL-Kommision des BIB (Berufsverband Information Bibliothek) allen OPLs gibt, wenn sie dieser bedürfen. Herr Plieninger wies auf alle wesentlichen Bestandteile einer qualifizierten OPL-Arbeit hin: Leitbild, Mission Statement, Beachtung der OPL-Checklisten, das Profil der Bibliothek scharfhalten, Umfragen und Statistiken nicht vernachlässigen uvm. Man muss verdeutlichen, dass die Nutzer die Bibliothek wertschätzen, Führsprecher gewinnen, Rahmenbedingungen erkennen und ausweiten. Neue Dienste sollten ohne viel Tamtam eingeführt und getestet werden. Wichtig in kleinen Bibliotheken ist besonders die Erfolgsdarstellung (Jahresbericht, Newsletter, Statistiken). Herr Plieninger betonte, dass die Geschichte der OPLs auch immer eine Geschite des Downsizings und der Bibliotheksschließung war und ist. Man könne letzendlich eine Schließung nicht verhindern, aber man kann darauf hinarbeiten, dass man in solchen Momenten viele Fürsprecher hat, dass man wichtige Dienstleitungen aufzeigen kann und dass man wichtige Multiplikatorinnenarbeit nach innen und nach oben leistet. Am Ende wurde das Bild vom Generalisten Robinson um das Bild vom lachenden Sisyphos ergänzt: Der Stein, den er immer wieder den Berg hochrollt, kann durch gute Arbeit etwas runder werden, so dass es leichter fällt, ihn zu bewegen – die Arbeit wird dann hoffentlich leichter und zugleich besser.

Eine weitere interessante Veranstaltung war das völlig überfüllte Panel zu dem Thema „Hinter den Kulissen einer Suchmaschine – optimierte Recherche durch Integration, Innovation und Kooperation“. Hier wurden u.a. diverse Konzepte, zur Suche in verschiedenen Repositorien in Vascoda oder Sowiport aufgezeigt. Es ging um verschiedene Protokolle, um das Mapping von Thesauri und Schlagwortlisten, um Metadataharvesting und um IT-Infrastrukturen. So wurde etwa der von der GESIS entwickelte Heterogenitätschecker vorgestellt. Dieses Tool hat  bei einer Sowiport Suche die Aufgabe, dass man über einen bestimmten Suchbegriff etliche andere sinnverwandte Begriffe mitsuchen kann. Technisch umgesetzt wurde dieses durch sogenannte Krosskonkordanzen: Etwa vierzehn Thesauri wurde so miteinander verbunden (gemappt), das die sinnverwandten Wörter der verschiedenen Thesauri in Übereinstimmung gebracht werden können. Sucht man etwa nach dem Term „Politik“, kann man eine Option einschalten, die den „Heterogenitätschecker“ aktiviert: So wird automatisch auch nach den Begriffen „Policy“ und „Politics“ gesucht.

Weiteres Highlight, diesmal aus dem Bereich der Öffentlichen Bibliotheken, war der Bericht der Stelle Mediennkonvergenz Monitoring zum Thema: Der Spieler – Veränderungen in der Medienwelt Heranwachsender, vorgestellt durch Prof. Dr. Hartmut Warkus. Kernaussage war hier, dass TV und Radio für Jungendliche zunehmend langweilig werden. Das gilt  besonders im Musikbereich: PC, MP3-Player und Handy sind total in. Auch die Anwendung von Social-Networks für die Gruppe der Jugendlichen wurde betont: Schüler-VZ läuft bei allen PC-Tätigkeiten permanent im Hintergrund, so Warkus.

Prof. Dr. Hobohm, Dekan am Fachbereich Informationswissenschaften der FH Potsdam, stellte uns einen neuen Typus von BibliothakarIn vor, den „Data Librarian“ (Wir verwenden diesen Begriff geschlechtsneutral). Anstatt mit Büchern hantiert dieser mit Daten. Diese sogenannten Rohdaten sind das Produkt meist jahrelanger Forschung von WissenschaftlerInnen aus allen möglichen Bereichen. SozialforscherInnen erheben Umfragen, GeologInnenen sammeln Gesteinsproben und PhysikerInnen notieren Messwerte. Sie erzeugen neues Wissen und publizieren es in Fachzeitschriften. Die Daten allerdings, die die Grundlage dieses Wissenserwerbs bilden, werden meist vergessen. Mit der zunehmenden digitalen Erfassung der Rohdaten wird auch der weltweite Zugriff über das Internet möglich. Da oft Unmengen an solchen Daten erzeugt werden, sehen sich die potenziellen NutzerInnen einer wahren Datenflut gegenüber. Genau hier kommt der/die BibliothekarIn ins Spiel mit ihren altbewährten Tugenden vom Sammeln, Zugänglichmachen und Erhalten, nämlich als Schnittstelle zwischen den WissenschaftlerInnen, welche die Daten erzeugen und denjenigen die diese Daten etwa für  ganz andere Bereiche nutzen möchten. Der Data Librarian sammelt die digitalen Daten in geeigneter Weise, macht sie über eindeutige Identifikatoren über das Internet bequem zugänglich und kümmert sich auch um deren Langzeitarchivierung. So ist uns InforamtionswissenschaftlerInnen das Aufgabenspektrum des Data Librarien durchaus vertraut. Er benötigt aber auch eine spezielle Anpassung an das „neue Medium“ DATA. Und mit der Ausbreitung des Konzepts des „open data“ kann er zugleich einem Lieblingsthema der BibliothkarInnen nachgehen: OPEN ACCESS.

Prof. Dr. Hobohm

Prof. Dr. Hobohm über Data Librarians

Abgerundet …

… wurde der Besuch des Bibliothekstag durch insgesamt trockenes Wetter mit einem schönen und heiter-fidelen Alumni Treffen der Potsdamer InformationswissenschaftlerInnen im Goldenen Schwan am Mittwoch Abend. Wie immer diente die Veranstaltung vor allem dem regen Austausch und dem Knüpfen neuer Kontakte. Unseres Erachtens lassen sich als Fazit drei Besonderheiten herausstellen:

  • Öffentlichkeitsarbeit und Bibliotheksmarketing wurden verstärkt als die Kernaufgabe von Bibliotheken wahrgenommen.
  • Der sinnvolle Umgang mit Web 2.0 Anwendungen in Bibliotheken hat sich zum Mainstream entwickelt.
  • Die Welt wird zukünftig verstärkt über Games erfahrbar werden. Dabei bleiben die Bibliotheken am Ball.

Allerdings war es etwas traurig, dass bei der Preisverleihung zum studentischen Ideenwettbewerb der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation e.V. (DINI) „Lebendige Lernorte“, die innovative Gruppe der „Grünen Bibliothek“ nicht prämiert wurde. Das Vorurteil vom verstaubten Altherrentreffen fanden wir nicht bestätigt. Uns begegneten durchaus viele junge und fortschrittliche BibliothekarInnen und es war schön zu sehen, wie die klischeebehaftete Bibliothekswelt ihre Fühler auszustrecken und offen für Neues war. Denn auch im eigentlichen Programm konnte man interessante, zukunftsorientierte Themen wie z.B. Web 2.0 in öffentlichen Bibliotheken, Bibliotheksdienste für soziale Netzwerke oder Open Data und Open Access finden. Wir wünschen uns mehr Stände wie die Zukunftswerkstatt für den Bibliothekskongress in Leipzig 2010 und hoffen dort wieder auf innovative, spannende und fortschrittliche Beiträge.

Alumni der FH-Potsdam im Goldenen Schwan

Alumni der FH-Potsdam im Goldenen Schwan

Videostatements

Über die AutorInnen

Anastasia Schadt studiert im 6. Semester am Fachbereich Informationswissenschaften der FH-Potsdam. Sie ist Mitorganisatorin der diesjährigen KIBA-Loungeund Mitinitiatorin der  LIS-Corner.

Ingo Caesar studiert im 6. Semester am Fachbereich Informationswissenschaften der FH-Potsdam, ist Mitarbeiter an der Bibliothek des Deutschen Instituts für Menschenrechte und unterstützte die Arbeit der Zukunftswerkstatt auf dem Bibliothekstag.

Dierk Eichel studiert im 6. Semester am Fachbereich Informationswissenschaften der FH-Potsdam. Er ist Mitorganisator der diesjährigen KIBA-Lounge und Mitinitiator der LIS-Corner.

Alle drei AutorInnen sind aktive BloggerInnen und InitiatorInnen des blogs „BibliothekarInnen sind uncool„, den Ihr gerade vefolgt.

Dieser Artikel erscheint mit kleinen Abweichungen am 17. 06. 2009 in der neuen Ausgabe der BRaIn: Potsdamer Beiträge und Reportagen aus der Informationswissenschaft

Nachstes Jahr findet die BOBCATSSS-Konferenz in Porto statt: Wer sich mit einem Beitrag beteilgen möchte: Heute ist der letzte Tag, dies zu erledigen (15. Juli deadline).

Studierende der FH-Potsdam füllen mit Ihren Vorträgen den ersten Tag der ersten Deutschen Dublin Core (DC) Konferenz

Die erste deutsche DC-Konferenz findet vom 22. -26. September 2008 (offizielles Programm) an der Humboldt Universität zu Berlin statt. Für Nicht-BibliothekarInnen: Dublin-Core ist ein Standard, der dafür sorgt, dass Daten über Ojekte (CDs, Bücher aber auch die Beschreibung auf der Corn Flakes Packung – also alle DInge, die in irgendeiner Form beschreibbar sind) von Computern auf der ganzen Welt richtig interpretiert werden. Dadurch kann man die Daten und schließlich auch die Informationsobjekte leichter finden.

Der Prozess DC auch institutionell zu verankern wird durch Kommittees und auch durch die DC-Konferenzen vorangetrieben. Ein Blick auf die Sponsoren der Berliner DC-Konferenz (sowie auf die Eintrittspreise) zwischen 410€ und 650€ (All inclusive) machen deutlich: Es wird eine sehr wichtige Konferenz.

Die tutorials, die von Studierenden der FH-Potsdam vorbereitet werden, werden am ersten Tag präsentiert. Mit-Konferenzkoordinatorin Frau Dr. Heike Neuroth (Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB)) und FH-Dozenten betreuen die strudentischen Gruppen. Bei einem ersten Vorlauf bei dem die Studierenden ihre Ergebnisse präsentierten, fiel mir die Spannung im Raum auf. Hoffentlich werden die Studierenden den Anforderungen, die Veranstalter, Besucher und Sponsoren an die Konferenz stellen, auch gerecht und verlieren dabei nicht Motivation, Kreativität und Eigensinn.

Porto, wir kommen!

5. Juli 2008

Wer Ende Januar am Atlantischen Ozean Portwein und Sonne genießen und gleichzeitig die tolle Chance ergreifen möchte, etwas zum Thema „Challenges for the New Information Professional“ vorzutragen sollte sich jetzt beeilen. Noch bis zum 15. Juli 2008 ist es möglich einen Vortrag oder eine Präsentation für BOBCATSSS 2009 einzureichen. Die Konferenz wird vom 28. – 30. Januar 2009 in Porto, der charmanten Hafenstadt im Norden Portugals, stattfinden. Die Gelegenheit, Ferienatmosphäre und fachlichen Austausch zu verbinden, sollte sich niemand entgehen lassen!

See you in Porto!

Hintergrundwissen für alle die noch nichts von BOBCATSSS gehört haben:

Jährlich pilgert der LIS-Nachwuchs zum internationale BOBCATSSS-Symposium, um dort über aktuelle Themen im bibliothekarischen und informationswissenschaftlichen Bereich zu berichten, diskutieren oder einfach um sich die Vorträge anzuhören und ihre KommilitonInnen aus der ganzen Welt kennenzulernen. Die Konferenz selbst wird ebenfalls gemeinsam von Studierenden aus je zwei europäischen Ländern organisiert und durchgeführt. Oberste Priorität bei BOBCATSSS hat der Wissens- und Erfahrungsaustausch, die internationale Vernetzung der LIS-Studierenden und nicht zuletzt das Erlernen interkultureller Kompetenzen.

Der Name BOBCATSSS ist ein Akronym und steht für die Anfangsbuchstaben der Gründer-Städte, die das BOBCATSSS Symposium geschaffen und seit 1993 veranstaltet haben: Budapest, Oslo, Barcelona, Copenhagen, Amsterdam, Tampere, Stuttgart, Szombately, Sheffield. Während der letzten Jahre haben sich zahlreiche weitere Städte dem BOBCATSSS Netzwerk angeschlossen: Borås, Riga, Kharkiv, Moscow, Tallinn, Torun, Warsaw, Sofia, Ljubljana, Krakow, Bratislava, Osjiek, Zadar, Berlin und Potsdam.

…und Angebote der Ausbildungsträger in Berlin und Potsdam

BBK Gesprächskreis

Von links nach rechts:

  1. Prof. Dr. Claudia Lux, Generaldirektorin der Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin
  2. Prof. Dr. Michael Seadle, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin
  3. Dr. Andreas Degwitz, Informations-, Kommunikations- und Medienzentrum der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus, Stellvertretender Vorsitzender des VDB Regionalverbandes Berlin-Brandenburg (Moderation)
  4. Prof. Dr. Hans-Christoph Hobohm, Dekan des Fachbereichs Informationswissenschaften der Fachhochschule Potsdam
  5. Prof. Dr. Ulrich Naumann, Direktor der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin

ZU dieser am 28. April 2008 vom Regionalverband Berlin-Brandenburg des VDB in den Räumlichkeiten des Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaft ausgetrageben Veranstaltung trafen sich einige Bibliotheksikonen aus Berlin-Brandenburg um über die Anforderungen an den höheren Bibliotheksdienst auch mit den Lehrenden der Fachhochschule Potsdam und der Humboldt-Universität zu diskutieren.

Begonnen wurde mit den Kopetenzanforderungen: Nutzerorientierung, Technologieknowhow, Betriebswirtschaft und Managementsoftskills. Anwärter auf die Leitungspositionen im höheren Dienst in Bibliotheken sollten einiges davon mitbringen. Die Bibliothek, so Andreas Degwitz in seiner Impulsvorrede biete großen Platz für das Professionelle. Sie sei eine Expertenorganisation und Profibürokratie. Dann gab Herr Degwitz das Wort an Herrn Naumann mit dem Verweis, dass Erschließung weiterhin der Kern bibliothekarischer Arbeit ist.

Herr Naumann möchte keine Introvertierten, keine Fachreferatsleiter, sondern vor allem Profile mit 30% Managementskills. Diese skillsmitzubringen seie wesentlich, um innerhalb der Bibliothek Bereiche und Einheiten zu leiten. „Keine Introvertierten aber auch keine Staatsschauspieler“, so Herr Naumann.

Frau Lux stimmte bezüglich der Managementqualifikationen zu und betonte die Kompetenzen Teamarbeit, Projektarbeit, Projektabwicklung sowie Auswahl der Medien. Zusätzlich betonte sie die Kenntnis der rechtlichen Bedingungen, die Organisationsfähigkeit sowie die Menschenführung.

Herr Hobohm, jetzt nicht mehr aus der Direktoren- sondern aus der Lehrperspektive, machte auf die Praxisanbindung, die durch projektorientierte Studiengänge wie den BA ermöglicht würden, aufmerksam und die daraus sich bei Studierenden ausprägenden Problemlösungskompetenzen. Sollten die Studierenden dann schließlich den MA dranhängen, so wären sie qualifiziert „neue Lösungen in einer komplexten Welt zu entwickeln“. Dabei warb er besonders mit dem Potsdamer Master, der in zwei Jahren kommen wird. Allerdings, so wurde der Ball an die Praxis zurückgespielt, müsse man wissen, was der Boden ist, auf dem die neuen Manager und Wissensexperten antreten werden.

Keine klare Antwort, sondern der Hinweise auf Changemanagement, kreative Ideen sowie der Entschluß die Dinge weiterzubringen, war die Reaktion von Frau Lux. Michael Seadle verkündete, dass auch an seinem Fachbereich auf die Probleme, die unsere bibliothekarische Welt umtreiben, eingegangen wird und Lösungen dazu vermittelt werden. Auch betonte er den Schwerpunk auf der Forschung an seinem Fachbereich. Insgesamt gesehen, so Seadle, verfügen diese Studenten nach ihrem Master über die geforderten Problemlösungskompetenzen.

Frau Lux stellte Fragen, auf die man nur tendenziell Antworten finden konnte. Wo landen dann die Bibliothekare? Wie sieht die Bibliothekslandschaft der Zukunft aus?

Bezüglich der aufgeworfenen Frage nach der Technologiekompetenz der Anwärter auf die höheren Bibliothekstätigkeiten wurde von allen das Prädikat „sehr wichtig“ vergeben. Auch das Wissen darum, was man daraus bauen kann(verstehen mit welchen Techniken es zu tun hat), wurde allseits betont. Herrn Naumann war auch wichtig, dass er Verantwortungen abgeben kann und sich raushalten kann, in dem Wissen, dass seine Leute die Dinge übernehmen können und sie im Griff haben. Selbstständige Leute sind gefragt, die Probleme innerhalb der bestehenden Strukturen zu kommunizieren ihre Kompetenzen unter Beweis stellen.

In der anschließenden Diskussion wurde einige kontroverse Punkte aufgeworfen:

Fähigkeiten der HU-Studenten des konsekutiven Master oder des Magisters werden zum Teil nicht anerkannt.

EIn Referendariat wird meistens als Eingangsvoraussetzung für den höheren Dienst gefordert.

Gewünschte Qualifikationen werden im Bewerbungsgespräch meist durchgehend nicht erfüllt.

Die Inhalte der Berufswelt müssen im Studium adäquat abgebildet werden.

Verschiedenartige (eben nicht harmonisierte) Qualifikationen und berufliche Curricula seien der Komplexität der Bibliothekswelt zuträglich.

Abschließend wurden nochmals Grundprobleme aufgeworfen: Wie können wir Informationen vermitteln? Welche Prozesse laufen eigentlich ab? Die Informationswissenschaft habe als Wissenschaft eine sehr schwierige Stellung. Das Vergütungsverständnis innerhalb des Verwaltungssystems manipuliere die Intention der Einstellung bzw. die Personalentscheidung.